Europa auf der Förde

Veröffentlicht am 31. August 2019 um 11:30

Ein herrlicher erster Segeltag auf der Förde, zur Kieler Ansteuerungstonne und zurück. Wir haben Freunde an Bord und genießen das windige, aber warme Spätsommerwetter.
Hinter der letzten roten Tonne taucht die Küstenwache auf, das deutsche Polizeischwergewicht auf der Ostsee. Sie fahren langsam, mal halten sie sich backbords, mal hinter uns. „Wir werden verfolgt“, flachst einer. „Nein, nein, was sollen die schon wollen?“ Zehn Minuten später ist das Beiboot längsseits. Wir bitten die beiden Beamten freundlich an Bord. Wann hat man schon mal derart hohen Besuch.

Nach ein paar netten Begrüßungsfloskeln kommen sie zur Sache. Schiffspapiere, Segelscheine - alles o.k. Was nun? „Sie führen die falsche Flagge, am Heck muss die deutsche Nationalflagge ‚schwarz-rot-gold‘ gesetzt sein.“ Nanu, wir hatten die blaue Europaflagge gesetzt.
Um Argumente waren wir Sechse nicht verlegen, aber es sollte nichts helfen. „Herr Polizeimeister, die Europawahlen sind gerade erst vorbei und wir alle hier an Bord fühlen uns als Europäer. Wir dürfen Europa nicht den Populisten überlassen. Deshalb wollen wir unsere Freude über ein friedliches Europa auch hier auf der Förde segelnd zum Ausdruck bringen.“ „Außerdem sind zwei von uns auch Beamte, also Kollegen, da ist man doch nicht so streng.“
Dem maritimen Polizeihauptmeister huschte ein kurzes Grinsen über das Gesicht; dann fing er sich wieder und sagte ernst: „Das Führen einer anderen als der deutschen Nationalflagge ist und bleibt eine Straftat!“ Aber wenn wir die Flagge wechseln würden, könnte er auf eine Anzeige verzichten. Sicherlich weil wir so überzeugend argumentiert hatten. Brav tauschten wir dann die Flagge aus.
Beim Abgang auf das Beiboot fragten wir noch, ob beide auch gewählt hätten. Sie grinsten wieder und wir waren uns sicher: Es müssen europäisch denkende, deutsche Beamte gewesen sein.

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